Narben gehören zum Leben. Manche sieht man sofort ,andere bleiben verborgen. Und doch tragen wir sie alle.
Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich viele davon. Allein an meinem Oberkörper zähle ich 18 Narben. Die ersten entstanden, als ich 16 Jahre alt war: sieben Lungennarben nach einer schweren Erkrankung. In den Jahren danach folgten weitere Operationen im Unterbauchbereich, unter anderem ein Kaiserschnittnarbe und eine Dammschnittnarbe. Jede einzelne Narbe erzählt eine Geschichte.
Doch Narben sind mehr als nur sichtbare Spuren auf der Haut.
Wenn der Körper Erinnerungen trägt
Medizinisch gesehen entsteht eine Narbe, wenn Gewebe nach einer Verletzung heilt. Dabei bildet der Körper neues Bindegewebe, das die Wunde verschließt. Dieses Gewebe ist meist weniger elastisch und anders strukturiert als das ursprüngliche Gewebe.
Was viele Menschen jedoch unterschätzen:
Narben können nicht nur körperliche, sondern auch emotionale Erinnerungen tragen.
Operationen,Verletzungen, Krankheiten oder Geburten sind oft intensive Erfahrungen. Der Körper speichert solche Ereignisse nicht nur biologisch, sondern auch auf einer tieferen Ebene, in unserem Nervensystem, unseren Gefühlen und manchmal auch in unseren unbewussten Reaktionen.
Ich habe das früh in meinem Leben gespürt.
Mein eigener Weg mit Narben zu leben:
Mit 18 Jahren begann ich neue Wege zu gehen. Nicht nur medizinisch, sondern auch ganzheitlich.
Ich wollte verstehen, wie Heilung wirklich funktioniert.
Über viele Jahre habe ich vieles ausprobiert, gelernt und erfahren. Schritt für Schritt entstand mein eigener Weg im Umgang mit meinen Narben.
Bis heute begleiten mich regelmäßige Behandlungen und Methoden, die meinen Körper unterstützen:
individuell von mir entwickelte Narbensalben
Akupunktur
Bioresonanztherapie
BEMER Gefäßtherapie
systemische Aufstellungsarbeit in unterschiedlichster Weise
EMDR - Traumatherapie und weitere körperorientierte Verfahren
Seit über 25 Jahren sind ein Teil dieser Ansätze Teil meines Lebens. Nicht, weil ich „krank“ bin.
Sondern weil ich gelernt habe, meinem Körper zuzuhören. Über die Jahre hat sich ein Konzept für ein Leben mit Narben, auch durch die Behandlung von Patienten, entwickeln dürfen.
Heilung ist ein Prozess, kein Zustand
Narben erinnern uns daran, dass etwas passiert ist. Doch sie erzählen nicht nur von Verletzung, sondern auch von Heilung. Mein Verhältnis zu meinen Narben hat sich im Laufe der Jahre verändert. Früher habe ich sie als Makel gesehen. Heute sehe ich sie als Zeichen meines Weges.
Sie zeigen:
dass mein Körper überlebt hat!
dass er sich immer wieder regenerieren konnte!
dass Heilung möglich sein kann, auch nach schwierigen Erfahrungen!
Innere und äußere Narben dürfen Teil unserer Geschichte sein, ohne dass sie unser ganzes Leben bestimmen müssen.
Was ich heute weiß
Heilung entsteht oft dann, wenn wir auf mehreren Ebenen gleichzeitig schauen.
Der Körper braucht Unterstützung.
Das Nervensystem braucht Regulation.
Und manchmal brauchen auch alte Erfahrungen einen Platz, an dem sie gesehen werden dürfen.
Wenn diese Ebenen zusammenkommen, kann etwas in Bewegung kommen.
Nicht immer schnell. Aber oft sehr nachhaltig.
Eine Einladung zum neuen Blick
Vielleicht trägst auch du Narben.
Manche sichtbar. Andere verborgen. Die Frage ist nicht, ob sie da sind.
Die Frage ist eher:
Wie möchten wir heute mit ihnen leben?
Narben müssen kein Zeichen von Schwäche sein.
Manchmal sind sie einfach der sichtbar gewordene Beweis dafür, dass ein Mensch seinen Weg weitergegangen ist. Und vielleicht beginnt genau dort eine neue Form von Heilung.
©2025 Vera Niermann
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