Die verborgene Hilflosigkeit im Weiblichen und Männlichen Wesen 1.0

 

In unseren Erkundungsaufstellungen in drei Gruppen zeigte sich ein berührendes und zugleich herausforderndes Bild:
Sowohl das Weibliche Wesen als auch das Männliche Wesen tragen eine tiefe Hilflosigkeit in sich. Mit Hilflosigkeit ist ein Zustand gemeint, in dem ein Mensch nicht in der Lage ist, sich aus einer schwierigen Lage oder Gefahr selbst zu befreien oder für sich selbst zu sorgen.

Was in den Aufstellungen sichtbar wurde, war jedoch etwas Entscheidendes:
Sowohl die Weiblichkeit als auch die Männlichkeit haben häufig wenig bis keinen Kontakt zu dieser eigenen Hilflosigkeit.

Und genau daraus scheinen bestimmte Bewegungen zu entstehen.

Es entstand die Frage:
Könnte es sein, dass die Weiblichkeit aus dieser unberührten Hilflosigkeit heraus versucht, eine „heile Welt“ zu schaffen?
Ein Feld von Harmonie, Fürsorge und Zusammenhalt, vielleicht auch als Versuch, das Unhaltbare doch noch zu halten.

Und könnte es zugleich sein, dass die Männlichkeit ihre Hilflosigkeit kaum zulassen kann und dass sich genau an dieser Stelle ein hohes Aggressionspotenzial bildet?
Nicht aus Bosheit, sondern aus der Spannung, etwas bewältigen zu müssen, wofür im Inneren gerade keine Möglichkeit vorhanden ist.

Doch vielleicht liegt eine tiefere Bewegung genau an einem anderen Punkt.

Vielleicht beginnt etwas Neues dort, wo sowohl Weiblichkeit als auch Männlichkeit den Mut finden, ihre eigene Hilflosigkeit zu berühren.

Nicht um darin stecken zu bleiben. Sondern um wieder in einen echten Kontakt mit sich selbst und dem Leben zu kommen.

Denn Hilflosigkeit ist kein persönliches Versagen. Sie ist ein zutiefst menschlicher Zustand.

Und vielleicht beginnt genau dort eine neue Würde für das Weibliche Wesen und das Männliche Wesen.

 

Beobachte in deinem Alltag einen Moment, in dem du etwas unbedingt lösen, halten oder durchsetzen möchtest.

Und frage dich leise:
Könnte es sein, dass darunter ein Moment von Hilflosigkeit liegt?

 

Was verändert sich, wenn dieser Zustand für einen Augenblick einfach da sein darf?

 

Verfasserin: Vera Niermann

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